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04.02.2012










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Rücksichtsloser Kahlschlag in Brasilien

Ashaninka-Indianer aus dem Amazonas-Regenwald in Brasilien zu Gast in Münster

 Am Donnerstag empfing Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson den Ashaninka Benki Piyãko aus Brasilien im Friedensaal der Stadt Münster. Benki Piyãko war auf Einladung von Vamos e.V. und der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) zu Gast in der Klimahauptstadt Münster, um über die aktuell bedrohte Lebenssituation der Ashaninka zu berichten. Begleitet wurde er von der Ethnologin Dr. Eliane Fernandes Ferreira, die seit Jahren über indigene Völker in Brasilien forscht.
 


Von links: Sonja Begalke (Vamos e..V), Ashaninka Benki  Piyako, Brasilien (mitte), Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson                                                     Foto: Marion Book

Seit Anfang der 1990er Jahre kämpfen die brasilianischen Ashaninka am Fluss Amönia verstärkt gegen Regierungsprojekte und Holzfirmen aus Peru, die die Umwelt in der gesamten Region des Flusses Juruá auf brasilianischer und peruanischer Seite der Grenze gefährden. Die Gefahr geht dabei vor allem von Peru aus, wo auch in indianischen Schutzgebieten rücksichtslos die Ausbeutung der Rohstoffe vorangetrieben wird. Dadurch finden die dort lebenden Ureinwohner nicht mehr genug Beute, folglich gehen sie immer öfter im Gebiet der brasilianischen Nachbarn fischen und jagen. Die indigenen Völker in der Grenzregion fühlen sich weitgehend allein gelassen in ihrem Kampf um ihre Kultur und den Erhalt des Regenwaldes, der ihre Lebensgrundlage bildet .

Benki Piyako                                                                                        Foto: Ralf Emmerich

Doch Benki Piyãko schildert an diesem Nachmittag der Bürgermeisterin nicht nur die Probleme, sondern erläutert auch anhand von Fotos, welche Konzepte von den Ashaninka entwickelt wurden, um gegen die Bedrohung vorzugehen und ein Umweltbewusstsein für die Artenvielfalt der Flora und Fauna im Amazonasgebiet zu schaffen. 2007 wurde das Ausbildungszentrum „Yoreka Atame“ für Umwelt, Gesundheit eingerichtet. Es dient dem interkulturellen Dialog und der Ausbildung von indigenen und nicht- indigenen Anwohnern des Flusses Jurua und arbeitet grenzübergreifend. „Mich beeindruckt es sehr, dass schon über 2000 Menschen ausgebildet werden konnten und sich die Ashaninka für Wiederaufforstung, den Schutz des Urwaldes und damit auch für den Klimaschutz einsetzen,“ so Bürgermeisterin Vilhjalmsson. „Es ist wichtig, aus erster Hand über die extreme Bedrohung des Regenwaldes und seiner Bewohner, aber auch über Lösungsmöglichkeiten  zu erfahren, um hier eine verantwortungsvolle kommunale Klimapolitik zu verfolgen - z. B. im Rahmen der Mitgliedschaft der Stadt Münster im Klimabündnis

Austausch über Klima- und Regenwaldschutz und kommunale Klimapolitik im münsterschen Rathaus.                                                                    Foto: Marion Book

                                           

 
Benki Piyãko präsentierte am Abend noch einen preisgekrönten Film über das Leben der Ashaninka vor 50 interessierten Gästen in der Katholischen Studierendengemeinde (KSHG), den er selbst gedreht hat. Der Film zeigt u.a. eine wichtige und beeindruckende Überlebensstrategie: die Schildkrötenzucht. Dabei sichern die Ashaninka Schildkrötennester am Flussufer und setzen später hunderte frisch geschlüpfter (Baby-) Schildkröten in ihrem Dorfteich aus. Damit wird nicht nur die Ernährung der Gemeinschaft sichergestellt, sondern auch der Artenerhalt der gefährdeten Spezies. Benki Piyãko hob eindringlich hervor, dass die Lebensgrundlage seines Volkes zerstört wird, falls die Abholzung in dem Gebiet weitergeht. „Ich betrachte unser Land als das reichste Land der Erde, betont Benki Piyãko. „Wir dürfen unsere natürlichen Reichtümer nicht zerstören, um zu überleben. Es gibt zigtausende Indianer, die in den Wäldern leben, ohne sie zu zerstören!“

50 Gäste lauschen dem spannenden aber auch bedrückenden Bericht von Benki Piayko und der Ethnologin Dr. Eliane Fernandes Fernandez .                                                                                                        Foto: Ralf Emmerich

Hintergrundinformationen:

Die Ashaninka (der Name bedeutet Brüder der Menschen) sind ein indigenes Volk der Arawak im östlichen Peru und westlichen Brasilien. Sie werden auf  circa 60.000 Personen geschätzt. Eine kleine Gruppe von etwa 800 Ashaninka davon leben auf der brasilianischen Seite im Bundesstaat Acre. Auf der peruanischen Seite sind die Ashaninka unter den rund 65 indigenen Volksgruppen der östlichen Regenwaldgebiete die größte Gruppe. Die traditionellen Ashaninka leben von der Subsistenzwirtschaft. Sie betreiben Brandrodungsfeldbau, um im Regenwald in nachhaltiger Anbauweise Felder anzulegen und Yucca (Maniok) anzupflanzen, außerdem Süßkartoffeln, Mais, Bananen, Reis, Kaffee, Kakao und Zuckerrohr. Typisch ist die Kuschma, ein vermutlich an die Inka-Kleidung angelehntes Kleidungsstück in Form einer Kutte. Die Urwaldschule Yorêka Ãtame im brasilianischen Bundesstaat Acre hat seit 2007 insgesamt 2000 Ashaninka und nicht-indianische Jugendliche aus dem Ort Mareshal Taumaturgo in nachhaltiger Landnutzung ausgebildet. Die Umgebung des Ausbildungszentrums wurde mit 50.000 Obstbaum- und Hartholzsetzlingen aufgeforstet. Die Ashaninka haben ihren peruanischen Verwandten angeboten ihre Jugendlichen ebenfalls im Umweltschutz auszubilden. Die GfbV unterstützt das Projekt seit 2004. Vamos wird den Kontakt zu den Ashaninka in Zukunft auch pflegen. Spenden werden gern weitergeleitet.

 
 
Hier gelangen Sie zu Pressemitteilung von Vamos und -fotos.

 

Aktuell: Massaker an Indigenen in Peru

Nach dem Massaker an Dutzenden Indianern in Peru hat sich die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Montag an die UN- Hochkommissarin für Menschenrechte Navanethem Pillay mit dem dringenden Appell gewandt, unverzüglich die gewaltsame Eskalation des Landkonfliktes zwischen Indianern und Militär in der Amazonasprovinz nahe der Stadt Bagua zu untersuchen. Dort wurden am vergangenen Wochenende bis zu 30 Indianer getötet. Zehntausende Indianer hatten im Norden Perus seit Wochen mit Straßenblockaden gegen die aggressive Erschließung indianischen Landes zu Gunsten der Erdöl- und Erdgasindustrie protestiert, die für sie den Untergang ihrer Lebensweise zur Folge haben würde. mehr

 


 
 
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