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Der ewige Gärtner
Filmvorführung am 05.12.2011 um 19:30 Uhr im Paul-Gerhardt-Haus. Film & Gespräch zum Thema Aids und Pharmakonzerne
Seit 1988 erinnert der Weltaidstag am 1. Dezember an die unheilbare Krankheit. Vamos e.V., der Weltladen (Warendorfer Straße) und die Aids-Hilfe Münster zeigen daher am Montag nach dem Weltaidstag den Film "Der Ewige Gärtner" von Fernando Mereilles.
Zum Film
Die Leiche der passionierten Politaktivistin Tessa Quayle (RACHEL WEISZ) wird in einer einsamen Gegend im Norden von Kenia gefunden. Ihr letzter Reisebegleiter, der afrikanische Arzt Arnold Bluhm (HUBERT KOUNDÉ), ist spurlos verschwunden. Alles deutet auf ein Verbrechen aus Leidenschaft hin. Sandy Woodrow (DANNY HUSTON), Sir Bernard Pellegrin (BILL NIGHY) und die anderen Mitglieder der British High Commission gehen davon aus, dass Tessas Ehemann, der passive und wenig ambitionierte Diplomat Justin Quayle (RALPH FIENNES), die Sache diskret in ihre Hände übergibt. Sie haben sich getäuscht: Der Verlust seiner Frau, die nicht gegensätzlicher gewesen sein könnte, rüttelt den leidenschaftlichen Gärtner wach. Angetrieben von Erinnerungen an ihre gemeinsamen Tage und Gerüchten, Tessa könne in Afrika eine Affäre gehabt haben, nimmt Justin sein Schicksal erstmals in die eigene Hand. In Kenia stürzt er sich Hals über Kopf in eine Odyssee, um ihren Namen reinzuwaschen und das zu beenden, was sie begonnen hat.... und stößt dabei auf einen Skandal, der Tessa das Leben kostete und nun das Seine gefährdet...

Filmplakat (Bild entnommen von.www.cineasten.de)
Hintergrund
Regisseur Fernando Meirelles sagt: „Die Gelegenheit, mich mit der Pharma-Industrie anzulegen, war [...] einer [...] [der] Gründe, warum ich DER EWIGE GÄRTNER unbedingt machen wollte."
John le Carrés Vorlage spricht gewichtige Themen an: die soziale Verantwortung großer Konzerne sowie das rücksichtslose Streben nach Gigaprofiten in einem der größten Business-Sektoren der Welt, der Pharma-Industrie. In einem weit verbreiteten Artikel, der zur Zeit der Veröffentlichung des Romans im Jahr 2001 verfasst wurde, schrieb der Schriftsteller:
Ich hätte mir auch den Skandal des mit Zusätzen angereicherten Tabaks vornehmen können... Ich hätte mir auch die Ölkonzerne vornehmen können... Aber sowie ich die multinationale pharmazeutische Welt betreten hatte, packte sie mich an der Gurgel und ließ nicht mehr los. Big Pharma, wie man sie nennt, hatte alles zu bieten: die Hoffnungen und Träume, die wir damit verbinden; ihr gewaltiges und zum Teil auch realisiertes Potenzial, Gutes zu tun; und die pechschwarze Kehrseite, aufrecht erhalten von unermesslichem Reichtum, pathologischer Geheimniskrämerei, Korruption und Gier.
Aktivisten beschuldigen Big-Pharma-Firmen zudem, sie würden wahre Innovation zugunsten der Entwicklung kaum voneinander unterscheidbarer „Ich auch“-Medikamente, die auf erprobten Markterfolgen basieren, ignorieren. Der Fokus richtet sich auf die Wehwehchen des reichen westlichen Markts, also zum Beispiel Herzkrankheiten, Haarausfall und geriatrische Impotenz, während die unprofitablen und außer Kontrolle geratenen Krankheiten in den Entwicklungsländern vernachlässigt und teilweise komplett außer Acht gelassen werden. Diese Länder werden dahingerafft von AIDS, Tuberkulose und Malaria (Letztgenannte betrifft jährlich etwa 500 Millionen Menschen und tötet nach Schätzungen etwa alle 20 Sekunden ein Kind). Während Krankheiten das Bild dieser Nationen bestimmen, sind sie nur für einen winzigen Anteil der Profite von Big Pharma verantwortlich.
Wenn alle anderen Argumente scheitern, erinnern uns manche Sprecher der Pharma-Industrie daran, dass es sich bei ihnen nicht um Unternehmen mit philanthropischem Auftrag handelt und dass ihre Hauptverantwortung die gegenüber ihrer Aktionäre ist. Zumindest das ist ein Punkt, bei dem die Firmen und ihre Kritiker übereinstimmen: Die Industrie setzt Milliarden von Dollar um. Im Jahr 2002 wurden Umsätze von geschätzten 430 Milliarden Dollar erzielt.
Seit 1997 ist es Brasilien erfolgreich gelungen, die AIDS-Todesrate effektiv zu halbieren. Man trotzte den Herstellern von Pharmazeutika und ignorierte die Androhung von Handelssanktionen – und stellte preiswerte anti-retrovirale Medikamente zur Verfügung. Begleitet wurden diese Aktionen von einer
aggressiven Präventions-Kampagne. Trotz des Erfolges des progressiven Modells in Brasilien wurden die Bemühungen in Meirelles’ Heimatland in anderen Ländern nicht wiederholt.
Als Referent wird Ralf Bolhaar von der Aidshilfe Münster die Filmvorführung inhaltlich begleiten.
Eintritt frei - Spenden willkommen
Weitere Informationen:
Die Veranstaltung findet statt im Rahmen der Reihe "Menschenrechte" des Beirats für kommuanle Entwicklungszusammenarbeit der Stadt Münster. Sie ist eine Kooperation mit dem Weltladen Münster