Best Practice

Was, wie, wo: Tipps und Beispiele

Sie wollen das Thema »Blumenproduktion« aufgreifen und in die Öffentlichkeit bringen?
Kein Problem – Anlässe gibt es genug:

  • Wählen Sie einen bestimmten Tag für ihre Aktion, der ohnehin mit Blumen assoziiert wird:
    Valentinstag am 14. Februar, Muttertag, der Internationale Frauentag am 8. März, der 1. Mai oder Erntedank, um nur einige zu nennen.
  • Blumen werden gerne als Präsent verschenkt: bei Geburtstagen, Empfängen, zur Verabschiedung von MitarbeiterInnen, als Dankeschön oder Mitbringsel.
  • Als Dekoration schmücken sie Kirchen, Tagungsräume, Büros oder ein Eingangshallen.
Werben Sie als Blumen-AktivistIn in ihrer Kirchengemeinde, in ihrer Stadt oder Gemeinde, in ihrem Verein oder in ihrem Bekanntenkreis für einen nachhaltigen und sozialverträglichen Blumenkauf.

Übrigens: Die Organisationshilfe rund um die Ausstellung »BlumenWelten« enthält eine Fülle von weiteren Tipps für Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit vor Ort (zum download).

Best Practice

Ein paar Beispiele von erfolgreichen Aktionen rund um das Thema »Blumenproduktion« aus verschiedenen Städten: Kurz von Aktionen in Münster und Bielefeld, zum ausführlichen Nachlesen ein Bericht über eine Aktion in Braunschweig und Umgebung.

»Münster fairschenkt Blumen«:
Blumen-Ausstellung mit Begleitprogramm in Münster

Ziel dieser Münsteraner Aktion war es, das Augenmerk der VerbraucherInnen und FloristInnen auf die sozial und ökologisch bedenklichen Produktionsbedingungen von Schnittblumen in z.B. Kolumbien, Ecuador oder Kenia zu lenken. Zugleich sollten Kaufalternativen präsentiert und popularisiert werden.

Am 8. März 2001, dem Internationalen Frauentag, tourte das Blumenmobil von »art at work« durch die Münsteraner Innenstadt. Eine Frauen- und eine Menschenrechtsgruppe verteilten dabei zusammen mit den Organisatoren der Kampagne VAMOS e.V. 500 gesponsorte rote Rosen, Informationen sowie Einladungskarten für Veranstaltungen rund um das Thema »Internationale Schnittblumenproduktion«. Das auffällige Blumenmobil fuhr bei Blumengeschäften in der Innenstadt vor und informierte VerbraucherInnen wie FloristInnen zum Thema.

Die Ausstellung »BlumenWelten: Der dornige Weg vom Feld zur Vase« wurde für einen Monat in der Eingangshalle eines Großraumkinos präsentiert und mit einer Blumen-Performance und einer Talkrunde eröffnet. Zusammen mit dem Fachverband der Floristen lud der Veranstalter VAMOS FloristInnen zu einem Abendrundgang durch die Ausstellung ein. Neben einem kurzen Einführungsvortrag zu den problematischen Arbeitsbedingungen auf den Blumen-Plantagen in den Ländern des Südens und den Verbesserungen durch das Blumensiegel »FLP – Flower-Label-Programm« stellte eine Fachfrau für Marketing die Marktchancen der FLP-Blumen vor.

Zudem war noch eine Veranstaltung mit einer Blumengewerkschafterin aus Kolumbien geplant, die jedoch ihr Land nicht verlassen durfte. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde diese Veranstaltung mit einer Vertreterin einer kirchlichen Basisorganisation, die die Blumengewerkschaft in Kolumbien unterstützt, nachgeholt.

Der Veranstaltungs-Mix sorgte dafür, dass das Thema »Blumenproduktion« über einen Monat in den Medien präsent war und eine breite Zielgruppe angesprochen wurde.


Bielefelder Blumen-Kampagne

Im Januar 2001 startete in Bielefeld die Kampagne »Fairschenk Blumen – umweltschonend und sozialverträglich«, getragen von einem breiten Bündnis, darunter die Stadt Bielefeld, die Verbraucher-Zentrale, der Fachverband Deutscher Floristen, der Landesverband Gartenbau, Bioland, die StadtKirchenArbeit, das Welthaus Bielefeld sowie die KünstlerInnegruppe Art at Work: Nicht ausgrenzen, sonder integrieren! war die Devise.

Ungewöhnliche Aktionen, phantasievolle Öffentlichkeitsarbeit, ein Wegweiser durch die heimische Blumenwelt, Plakate, Visitenkarten sorgten dafür, dass das Thema in der Stadt allgegenwärtig war. (Kontakt für Nachfragen z.B.: Marle Kopf, Umweltberatung Verbraucher-Zentrale Bielefeld, Tel. 0521/69550)

 

BlumenWelten in Braunschweig und Umgebung

Ein Erfahrungsbericht von Jutta Salzmann, Evangelische Erwachsenenbildung Braunschweig
Seit 1999 läuft die Kampagne für das FLP-Label, bundesweit sind es über 700 Blumenläden, die FLP-Blumen verkaufen und von FIAN im Internet aufgelistet sind. Suchte man jedoch nach Läden in Braunschweig und Umgebung, war da absolut nichts, leere Wüste in der FLP-Landschaft sozusagen. Wer in Braunschweig FLP-Blumen kaufen wollte, hätte nach Hannover, Hameln oder Göttingen fahren müssen – selbst hoch motivierte Menschen nehmen einen solchen Aufwand nicht auf sich.

An dieser Situation etwas zu ändern, das nahmen sich im Sommer 2002 das Diakonische Werk Braunschweig, die Evangelische Erwachsenenbildung, die Braunschweiger terre des hommes-Gruppe und die Kreisvolkshochschule Wolfenbüttel vor. Der für Brot für die Welt zuständige Mitarbeiter des Diakonischen Werkes hatte das Blumenthema schon länger im Blick, scheute vor einer FLP-Kampagne zurück, solange er den Kunden keine örtlichen Blu-menläden nennen konnte. Die terre des hommes-Gruppe in Braunschweig hatte schon zwei Jahren zuvor damit begonnen, Unterschriften von Menschen zu sammeln, die bereit wären, FLP-Blumen zu kaufen, so es sie denn gäbe. Aber bei Gesprächen mit Blumeneinzelhändlern und Großhandel war die Gruppe nicht weitergekommen.

Die Versuche waren am immer gleichen Kreislauf gescheitert, bei dem einer dem anderen die Verantwortung für den ersten Schritt zuwies: Der Einzelhandel verwies auf die Kunden und den Großhandel, der Großhandel verwies auf die Einzelhändler, die Kunden wiederum auf den Einzelhandel – immer mit dem Tenor: "Es gibt weder Angebot noch Nachfrage – also sind FLP-Blumen kein Thema für uns". In diese Situation hinein kam die Anfrage der Leite-rin der örtlichen KVHS Wolfenbüttel an die Evangelische Erwachsenenbildung, ob man nicht gemeinsam etwas zum Thema FLP-Blumen machen und als Aufhänger die in NRW produ-zierte Ausstellung "BlumenWelten – der dornige Weg vom Feld zur Vase" ausleihen wolle. So entstand ein Initiativ-Kreis der vier Organisationen, der sich zum ersten Mal im Juni 2002 traf und der in seiner Vielfältigkeit sehr zum Erfolg der Kampagne beigetragen hat.


Wie sind wir vorgegangen?
Nachdem schnell klar war, dass wir gemeinsam die Ausstellung in Wolfenbüttel und Braun-schweig zeigen wollten – möglichst in der Zeit um den Valentinstag, suchten wir zunächst Ausstellungsorte: Möglichst zentral in der Innenstadt, möglichst ganztägig geöffnet und von vielen Menschen frequentiert. In Braunschweig kam es durch gute Kontakte zum Staatsthea-ter (zwei Mitglieder der terre des hommes Gruppe sind hauptberuflich Musiker des Staatsor-chesters) sehr bald zu einem Gespräch mit dem Intendanten. Dieser war an Thema und Anliegen interessiert und sofort bereit, die Kassenhalle des Staatstheaters für die Ausstellung und ein Foyer für die Eröffnungsveranstaltung zur Verfügung zu stellen. In Wolfenbüttel wurde die Kreisvolkshochschule als Ausstellungsort gewählt.

Im weiteren Vorgehen setzten wir parallel an mehreren Punkten an: Wir luden einen Vertreter des Niedersächsischen Floristenverbandes zu einem der Vorbereitungstreffen ein, nahmen Kontakt zum Großhandel, zu Floristen-Ausbildungsklassen der Berufsbildenden Schulen so-wie des Oskar-Kämmer-Bildungswerkes auf und konnten Dr. Uwe Meier, Mitarbeiter der Biologischen Bundesanstalt für Fort- und Landwirtschaft in Braunschweig, der sich seit Jah-ren mit der Frage der Schnittblumen befasst und die Standards des FLP-Labels mit entwickelt hat, gewinnen, als Fachmann inhaltlich in der Kampagne mitzuarbeiten.
Wir planten inhaltlich für die Eröffnungsveranstaltungen, entwickelten einen Flyer mit Rückmeldekarte, den wir über die Verteiler der beteiligten Institutionen und Gruppen an etwa 4.000 Personen verschickten und vor Ort auslegten, schickten den Flyer mit Begleitbrief an sämtliche Blumenläden in Braunschweig, Wolfenbüttel und Umgebung und sowie eine ge-sonderte Einladung für die Eröffnungsveranstaltungen an VertreterInnen aus Politik, Wirt-schaft, Kirche und Kultur der beiden Städte. Soweit lief alles gut und nach Plan – nur: Eine Woche vor Eröffnung der Ausstellung hatten wir noch immer keinen einzigen Blumenhändler gefunden, der bereit war, FLP-Blumen zu verkaufen, auch der Großhändler zeigte sich noch sehr reserviert.


Wie fanden wir die Läden?
Dann änderte ein Presseartikel die Lage: Wir hatten auf unserer Pressekonferenz die Journalisten gebeten, einen Appell an Blumenhändler zu veröffentlichen, sich zu beteiligen. Die Journalistin einer Zeitung, die kostenlos in alle Haushalte geliefert wird, recherchierte auf eigene Faust, sprach mit der Floristin, die den wöchentlichen »Blumentip« für die Zeitung schrieb, und erläuterte ihr das Anliegen von FLP. Bereit mitzumachen wandte sich die Blumenhändle-rin gemeinsam mit der Journalistin an den örtlichen Großhändler – ein halbseitiger Artikel mit Farbfotos erschien in der Zeitung, und siehe da: es bewegte sich etwas. Am Eröffnungstag waren zehn Geschäfte aus Braunschweig und Umgebung bereit mitzumachen, zunächst für den Zeitraum Februar bis April 2003; der Großhändler garantierte die Lieferung frischer FLP-Blumen dreimal wöchentlich. Wir versprachen den Blumenhändlern, dafür zu sorgen, dass ihr Engagement auch stadtweit bekannt würde.

Bei der Ausstellungseröffnung in Braunschweig am 3. Februar gab es einen Mix aus Information in Form einer Talk-Runde und Musik. Vertreter von terre des hommes, Blumenhänd-ler aus Hannover und aus Braunschweig ohne Erfahrungen im Handel mit FLP-Blumen sowie Dr. Uwe Meier sprachen über unterschiedliche Aspekte des Flower Label Programms – moderiert von einem Mitglied des Staatsorchesters. Eine Sopranistin des Staatstheaters, selbst Mitglied bei FIAN, wie wir dabei feststellten, sang Lieder aus "My Fair Lady" und andere "blumenhaltige" Songs – alle Beteiligten verzichteten auf ein Honorar.
Die FLP-Rosen für die Dekoration hatte der Großhändler gestiftet, hergestellt hatte die Deko-ration die Floristen-Ausbildungsklasse des Oskar-Kämmer-Bildungswerkes. 50 Stühle hatten wir hoffnungsvoll gestellt, über 100 Leute kamen, die letzten mussten stehen. Auch die Eröff-nung in Wolfenbüttel am 17. Februar war mit 40 Menschen gut besucht, der Schwerpunkt lag hier im literarisch-musikalischen Bereich: eine Lesung »Blumen in der Weltliteratur« im Wechsel mit Tango und Folklore aus Argentinien.

Unter dem Motto »Wir machen mit« listeten wir auf Plakaten und Handzetteln alle Blumen-geschäfte auf, die sich an der Kampagne beteiligen, sobald ein neuer Händler dazukommt, wird die Liste aktualisiert. Ende Februar beteiligten sich bereits 16 Geschäfte in Braun-schweig und Umgebung. Ein großer Teil des Erfolges der Kampagne ist der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu verdanken, hier haben alle vier beteiligten Institutionen ihre jeweili-gen Kontakte optimal genutzt: Innerhalb von 1,5 Monaten hatten wir neun Zeitungsartikel, dazu einen Bericht im Lokalsender »Radio Okerwelle« sowie einen längeren Beitrag und täg-liche Hinweise auf die Ausstellung in NDR 1.Was planen wir weiter?

Wir versuchen derzeit, die Stadträte von Wolfenbüttel und Braunschweig zu motivieren, nur noch Rosen mit FLP-Siegel zu kaufen. Gleiches soll im Hinblick auf kirchenleitende Gremien geschehen. Geplant sind im kirchlichen Raum zudem Info-Veranstaltungen über FLP für Kü-ster, PfarrerInnen, Kirchenvorstände und Besuchsdienst-MitarbeiterInnen. Nach Ablauf der ersten Phase wird es ein Auswertungstreffen mit den beteiligten Blumenhändlern geben, bei dem auch Aktionen und Anlässe für die Wiederbelebung der Kampagne nach der Sommer-pause überlegt werden sollen.

Mit den Erfahrungen aus Braunschweig wollen wir Mut machen, das Thema FLP-Blumen in lokalen oder regionalen Zusammenhängen aufzugreifen, sich dazu mit mehreren Bündnis-partnern zusammenzuschließen, von Vornherein zu versuchen, den Handel und den Floristen-verband sowie Floristen-Ausbildungsstätten mit einzubeziehen und in intensive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu investieren. Die Ausstellung »BlumenWelten« hat sich – wenn auch in der Ausleihgebühr nicht ganz billig! – als gutes Medium für die öffentliche Präsentation den Themas erwiesen.
(aus Blumen-Rundbrief Nr. 34, FIAN, April 2003)

 

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